Gorge de Verdon Valensole

Gorge de Verdon Valensole

Mein lieber Gatte hatte im Vorfeld schon eine kleine Rundroute ausgearbeitet, mit der Möglichkeit noch einen Abstecher zu den Lavendeldeldern auf das Hochplatteau von Valensol zu machen. Je nachdem, wie wir durchkommen würden.

So verlassen wir unseren Campingplatz flussabwärts und mit jedem Meter geht es erst mal Bergauf. Es dauert auch nicht lange, bis das alte Spiel wieder beginnt: links, rechts, links, rechts und das in immer kürzer werdenden Abständen. Das sollte auch den ganzen Tag so bleiben. Ich danke dem lieben Gott auf Knien, daß ich mit einer tüchtigen Seefestigkeit gesegnet bin, denn sonst wäre bei mir den ganzen Tag keine Freude aufgekommen. Ihr wisst, was ich meine…

Das erste Highlight auf dem Weg in die Schlucht ist das Örtchen Trigance, welches malerisch wie ein Adlerhorst in den Fels geklebt zu sein scheint, gekrönt von einer stattlichen Festung. Zuerst sieht man nur die Festung, bis der Blick sich weitet und sich einem die Pracht des gesamten Ensembles erschließt. Die Durchfahrt ist für Nichtanwohner verboten, aber es gibt bei beiden Ortseingängen Parkplätze, sodaß man den Ort zu Fuß erkunden kann.

Da wir noch viel vorhaben, ziehen wir allerdings daran vorbei und erreichen bald den Canyon von der linken Seite her. Mein Göttergatte war so freundlich, die Route so zu wählen, daß ich immer die tolle Aussicht…auf den Abgrund habe. Die Tour war eine harte Probe für mein Nervensystem, aber es hat sich gelohnt. Und außerdem soll man sich seinen Ängsten ja stellen. Dazu hatte ich reichlich Gelegenheit.

Nun waren wir von Norwegen ja durchaus spektakuläre Ausblicke gewohnt, aber dennoch steht man wieder sprachlos an den Aussichtspunkten und findet keine Worte. In einem Tunnelbereich, schon ziemlich weit oben, haben wir einen Blick in die Schlucht und bemerken Flugakrobaten, nämlich Schwalben, die vor der steilen Wand ihre Künste zeigen. Dann taucht noch ein anderer Flugkünstler auf, aber ein wesentlich größerer. Wahrhaftig ein Gänsegeier, der die Thermik nutzt und sich vom Grund nach oben treiben lässt. Ohne einen einzigen Flügelschlag schafft er die 600 Meter bis auf unsere Augenhöhe, wo wir ihn mit unseren Kameras gut ablichten können.

Wir überlegen, ob wir den Abstecher aufs Hochplatteau nach Valensole zu den Lavendelfeldern noch machen sollen oder nicht, da sich mittlerweile überall Gewitter zusammenbauen. Ich befürworte das, da ich mir von Lavendel in dunklen Wolken schöne Effekte erwarte. Gesagt getan, wir nähern uns bald darauf Valensole und wieder den bekloppten Influenzer/innen, die in Kleidern und Hüten durch die Felder turnen und die wir auf dem Hinweg nach Chasteuil schon gesehen hatten.

Kurz vor dem Ort sagt Frank noch mit Blick auf die dunklen Wolken „die kommen genau auf uns zu“ und als wir den Ortseingang erreichen, bricht ein Gewittersturm über uns herein, der sich gewaschen hat. Sturzbäche ergießen sich über Valensole, schnell ist die Kanalisation überlastet und die abschüssigen Straßen verwandeln sich in kleine Bäche, das Wasser schiesst aus Regenrinnen und über Dachkanten. Sogar etwas Hagel ist dabei.

Wir erreichen die Post, meine Karten sollen noch weg und Frank erbarmt sich sie einzuwerfen. Trotz Regenjacke kommt er patschnass zurück. Wir fahren im Schritttempo aus dem Ort heraus, müssen aber an einem Feldrand erneut anhalten, weil man einfach nichts sieht und der Regen nicht nachlassen will. Immerhin, die Influenzer sind weg, war wohl doch zu nass.

Halbherzig versuchen wir ein paar Fotos von einem tollen Lavendelfeld und versauen uns die Schuhe, werden nass. Zum Glück haben wir Wechselkleidung dabei. Schnell zurück ins Auto, denn die Temperatur ist auf 19 Grad gefallen und wenn alles feucht ist, fühlt sich das richtig kalt an. Wo vorher die Klimaanlage lief bei 33 Grad, ist jetzt die Sitzheizung erste Wahl.

So treten wir den Rückweg in die Schlucht an, es ist mittlerweile 18 Uhr geworden. Eine schnelle und gute Pizza auf dem Weg bringt unsere Lebensgeister zurück und wir begeben uns auf die letzte Etappe, die Route de Crête.

Die toppt dann nochmal alles zuvor gesehene, es geht auf knapp 1400 Meter hoch. Der Fluss liegt bei 600 Metern, also fällt die höchste Felswand ca. 800 Meter ab. Das ist schon ziemlich viel. Da es mittlerweile schon spät geworden ist, sind wir außer zwei Spaniern alleine hier unterwegs und das ist wunderschön. Keiner, der einem auf den Zeiger geht.

Diese Stille, diese Erhabenheit, diese Ausblicke. Und wir sehen wieder Gänsegeier, diesmal eine kleine Gruppe von drei Stück. Wir schauen ihnen nach, bis sie nicht mehr zu sehen sind und fahren weiter. Wieder äußerst kurvenreich und mit Nervenkitzel, Adrenalin wird garantiert bis zum Erreichen unseres Campingplatzes.

Links:

La Folie Pizza: https://maps.app.goo.gl/xq6EvrDdXBioZYTM8?g_st=ac

Gänsegeier (Fotos haben wir mit den SR Kameras gemacht, die müssen wir zuhause über den Rechner einspielen) https://www.castellane-verdon.com/de/bouger/observation-des-vautours-dans-les-gorges-du-verdon/

2 thoughts on “Gorge de Verdon Valensole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert