Durchs Französische Jura

Durchs Französische Jura

Unser Weg an Tag drei führt uns bei strahlend blauem Hinmel durchs Französische Juragebirge. Kurvenreich, bergig, teilweise mit schlechten Straßen und jeder Menge Radfahrer, die überholt werden müssen. Auch viele Motorradfahrer, die an uns vorbei ziehen. Und noch mehr gemeingefährliche Drempel, die man mit Gespann äußerst vorsichtig anfahren muss, damit man sich nicht das Stützrad kaputt haut. Welches aus bekannten Gründen eh schon angeschlagen ist, räusper.

Dafür pittoreske Dörfchen, gepflegte Anwesen, Rosen, die an Häusern hoch klettern, alte Jugendstilvillen „Hexenhäuschen“, hübsche Kirchen, viel Landwirtschaft und Käsereien. Menschen, die schon morgens um 11 bei einem Glas Wein zusammen sitzen.

Ein schöner blauer See. Es duftet überall nach frischem Heu, die erste Mahd ist in vollem Gange. Es riecht nach „hier ist die Welt noch in Ordnung“. Nach Kindheitserinnerungen. Nach „hier will ich bleiben“

Als wir kurz anhalten um uns die Beine zu vertreten, gehen wir ein paar Meter dahin, wo im Winter die Langlaufloipe beginnt und ich bin ganz entzückt zu sehen was dort alles blüht. Dort, wo man die Natur einfach in Ruhe lässt.

Ich sehe seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine Teufelskralle. Außerdem Akelei, Wilde Möhren, Glockenblumen, Leimtöpfe, Butterblumen und was weiß ich noch alles! Wie früher. Und die Wiesen voller Insekten und Schmetterlingen.

Irgendwann haben wir das Geschaukel hinter uns und freuen uns über ein paar Kilometer Autobahn. Da Autobahn plötzlich langweilig ist im Vergleich zu den Buckelpisten des Jura, reitet mich was und ich komme auf ein Späßchen, was wir als Kinder auf langen Fahrten immer gemacht haben. Ein paar Tic Tac in den Mund und los geht der Spaß!

Frank lacht sich schlapp. Passanten gucken komisch. Tja, man kann auch nicht den ganzen Tag nur ernst bleiben.

Die französischen Alpen sind nun zu sehen, die Schilder weisen auf Annecy hin. Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Quartier für die nächsten zwei Nächte. Der Platz ist komplett belegt, wie gut, daß Frank schon vorher reserviert hatte. Wir installieren uns zwischen Dänen, Engländern, Niederländern Deutschen, Schweizern und Franzosen und nach ein paar Schwätzchen mit Nachbarn bestellen wir noch schnell unser Baguette und die Croissants für morgen früh und können es kaum erwarten, runter zum See zu gehen. Es gibt dort einen campingplatzeigenen Zugang zum türkiesblauen See und eine kleine Liegewiese. Vom See kommt eine frische Brise, nicht zu kalt und nicht zu warm. Es ist perfekt. Auf einem Stein finden wir beide Platz und genießen die tolle Farbe und den Wind. Gibt es Schöneres? Gut ja, jetzt noch in den See schwimmen gehen wäre noch schöner, aber das geht halt im Moment nicht. Ich muss auf die Côte d‘ Azur und das Meer warten.

Leider müssen wir gegen 18 Uhr das Idyll verlassen, da mein vorletzter Wechsel ansteht und was Essen wollen wir auch noch.

In der Nähe haben wir eine Creperie ausfindig gemacht und freuen uns schon auf die Galettes zum Abendessen. Ich bestelle mir eine mit Sommertrüffel, Kochschinken, Ei und Käse, Frank nimmt den mit Reblochon und rohem Schinken. Es schmeckt uns vorzüglich und wie wir auf Nachfrage hören, wird das Restaurant von zwei Bretonen geführt. Kein Wunder, daß es auch den Spatzen schmeckt, die sich die letzten Krümel von den Tellern klauen!

Nach dem Essen überredet mich Frank, nochmal runter zum See zu gehen, diesmal zu einem kleinen Hafen. Im letzten Licht der Abendsonne strahlt das Panorama der Alpen besonders schön. Ein strammer Wind empfängt uns am See und das ist trotzdem sehr angenehm. Zuhause am Georgie steht noch mein letzter Wechsel auf dem Plan und dann nur noch: adios muchachos!

Creperie les Filles: https://www.creperielesfillesena.com/

Campingplatz: https://maps.app.goo.gl/ci4UcUdUQXAcjtP19?g_st=ac

2 thoughts on “Durchs Französische Jura

  1. Toller Blog und ich glaub ich kenne ALLE Wege nach Annecy. Habe über Jahrzehnte immer wieder mehrere Wochen dort gearbeitet. Glaubt mir, das ist eine völlig andere Erfahrung, als da im Urlaub Station zu machen. Die Schönheit der Region ist legendär und das Essen ist super lecker. Der Blick aus meinem Büro ging gradewegs auf den Mont Blanck.
    Geniessen, geniessen. Ich schicke euch alle guten Wünsche die ich auftreiben kann. Marlies

    1. Liebe Marlies, dann kennst du die Gegend ja gut und weißt, wie schön es hier ist. Wäre spannend, mal im Winter her zu kommen…jetzt freuen wir uns aber erst mal über den Sommer.
      Liebe Grüße an dich!

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