Lyon/ hic sunt leones

Meine Lieben, ich bin euch noch Lyon schuldig. Da wir den nächsten Tag die Heimreise angetreten habe, hatte ich keine Möglichkeit, den Beitrag zu schreiben. Ihr müsst wissen, dass ich alle Beiträge unterwegs mit dem Handy schreibe, das geht aber nicht wenn man im Auto sitzt und durchgeschaukelt wird. In meinen Alter ist man froh, wenn man die Tasten auch so schon trifft…

Also wir haben uns Samstag morgen auf den Weg vom Campingplatz nach Lyon machen wollen. Da hat uns ein riesen Missgeschick erst mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Beim Einräumen der Frühstückssachen in den Küchenschrank ist mir aufgefallen, dass das Körbchen darin, wo wir die Sachen drinne haben, sich nicht wie gewohnt verschieben ließ. Um fest zu stellen, dass eins von den Honiggläsern, die wir in Apt gekauft hatten und die eigentlich gut verschlossen hätten sein sollen, auf der Fahrt umgefallen war und fast seinen kompletten Inhalt in den Schrank verteilt hatte. Eine riesen Schweinerei! Also haben wir alles ausgeräumt, den Zwischenboden raus genommen (drunter die Beleuchtungelektrik, die ebenfalls Honig abbekommen hatte) und versucht, alles so gut es ging vom Honig zu befreien. Die ganze Aktion hat uns eine dreiviertel Stunde gekostet bis wir endlich los konnten.

Franks Sohn erwartete uns bereits und so sind wir zügig per Metro erst mal Richtung Kathedrale. Auf den Berg wo sie steht, gelangt man bequem mit einer Standseilbahn.

Oben angekommen, haben wir erst mal den fantastischen Ausblick über die Stadt genossen. Durch das klare Wetter konnten wir bis zu den Alpen blicken und den Mont Blanc sehen. Leider gibt eine Handykamera das nicht her. Ein wenig kann man im Hintergrund wenigstens die Alpen erahnen.


Wenn man zur Kathedrale hinein geht, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Fußboden und sämtliche Wand- und Deckengemälde sind in Mosaiksteinen gelegt, da müssen jede Menge Leute Jahrelang dran gearbeitet haben. Das hat einen wahnsinns Effekt, die Gläubigen der damaligen Zeit müssen vor lauter Ehrfurcht halb in Ohnmacht gefallen sein. Den Rest hat ihnen dann vermutlich das Weihrauch gegeben.

Die Maße sind unglaublich. Wie bei vielen Sakralbauten sieht die Kirche von Innen größer aus als von Außen. Die Bauherren haben sich schon damals perpektivischer Tricks bedient, um Größe vorzugaukeln. Natürlich ist die Kathedrale auch groß.

Nachdem wir unsere Kerzen angezündet und den Innenraum ordentlich bestaunt haben, werfen wir noch einen Blick in die Krypta. Es ist die größte Krypta, die ich je gesehen habe, wie eine eigene kleine Kirche für sich. Hier widmet man sich ausgiebig der Marienverehrung in diversen Apsiden. In einer davon singt eine handvoll Frauen Verse.


Nach so viel sakraler Luft sind wir froh, daß es jetzt weiter geht zur Altstadt, die der Kathedrale quasi zu Füssen liegt. Hier tobt ebenso das Leben, jede Menge Touris strömen durch die Gassen mit Kopfsteinpflaster und einem Bistro neben dem anderen.

Was sich gut trifft, Zeit für eine Mittagspause. In einem originell gestaltetem Bistro mit Bluesmusik aus den 40igern werden wir von einer lustigen Italienerin bedient. Franks Ravioli mit dreierlei Saucen sind superlecker, ich nehme drei Kartoffeln mit Kräuterquark und Schinken und Franks Sohn weiß ich nicht mehr. Sollte auch nur eine Kleinigkeit sein, weil wir um 18 Uhr einen Tisch bestellt hatten.

In einem nahegelegenen Park machen wir eine Pause im Schatten, weil wir alle schon platt sind von der elendigen Lauferei bei dieser Affenhitze und ich sonst gestreikt hätte.


Durch meine Einschränkungen (z.B. verminderte Blutkörperchen) bringe ich einfach nicht mehr die Kondition mit, die jüngere oder gesunde Menschen haben. Das gute und leckere Abendessen versöhnt mich aber ein wenig mit den Strapazen und so treten wir danach den Weg zum Campingplatz an. Weil es schon spät geworden war und der Campingplatz noch 45 Minuten zu fahren sind, starte ich meinen ersten Wechsel dann schon im Auto, was unter bestimmten Bedingungen möglich ist.

Als wir auf dem Campingplatz ankommen, bin ich so erschöpft, dass ich nur noch eins will: duschen und schlafen. Frank geht es ähnlich. Ich schliesse also den Wohnwagen auf, gehe hinein…und fange an zu schreien. Tausende von Ameisen krabbeln in einer Straße wie an einer Schnur die Küchenrückwand rauf und verschwinden hinter dem Küchenschrank. Überall auf der Ablage und in der Küche sind sie.

Die hatten wie auch immer die Honigreste im Schrank entdeckt und gleich das halbe Ameisenvolk losgeschickt! Also statt Dusche und Bett: Handstaubsauger ausgepackt und erst mal munter drauf los gesaugt. Nach einer knappen Stunde saugen und zerdrücken und Aktion hatten wir zumindest die Hauptarmee gestoppt. Danach wieder den Schrank auseinader gebaut, um sämtlich alle Honigreste zu beseitigen. Checken, wie und von wo sie überhaupt reingekommen waren. Eine der Stützen war das Einfallstor, die habe ich sofort mit einem in Essig getauchten Küchentuch umwickelt. So eine Geschichte braucht man nicht, und schon gar nicht nach einem anstrengenden Tag bei 33 Grad in der Großstadt!
Auch am nächsten Tag tauchten vereinzelte, irritierte Ameisen auf, auch nach unserer Ankunft zuhause noch. Aber die große Armee war zerschlagen.
Hier noch ein paar Impressionen aus Lyon:








Stay tuned: die nächsten Tage gibt‘ s von mir noch einen Frankreich Rückblick und eine kleine Übersicht mit kurzer Beschreibung zu den besuchten Campingplätzen!
2 thoughts on “Lyon/ hic sunt leones”
Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen…..sagt man, und das stimmt. Sehr schön geschrieben Dein Bericht, anschaulich und lustig, fast als wäre man dabei gewesen. Die Erlebnisse mit Honig, Ameisen und großer Hitze waren natürlich völlig daneben, aber es gab ja auch sehr viele interessante und schöne Eindrücke sowie lecker Happa Happa.
Genau meine liebe Lieblingstante. Irgendwas nimmt man immer mit. In diesem Fall waren es ein paar Ameisen, die wir mitgenommen haben 😆